Das Jugendorchester der katholischen Kirchengemeinde Meerholz-Hailer hat sein zweites Frühlingskonzert unter der Leitung von Michael Meininger auf die Bühne gebracht – eine musikalische Feier der Schöpfung, die von den rund 500 Gästen mit stehenden Ovationen bedacht wurde. Mit Werken von Klassik bis Jazz, von „Where Never Lark or Eagle Flew“ bis „In the Stone“, verband das Orchester künstlerischen Hochgenuss mit Appellen für Klima- und Umweltschutz.
Gelnhäuser Neue Zeitung vom 10. März 2026Moderator Manuel Neumann fand in dem Bild, das die Raumsonde Voyager 1 von dem kleinen blauen Punkt mit tiefschwarzem Hintergrund machte, und den Worten des Astrophysikers Carl Sagan einen passenden Vergleich. Menschen nehmen die Welt, die Vielfalt und die Natur, die im All etwas absolut Außergewöhnliches sind, als normal und gewöhnlich war. Das war auch der Ansatz des Jugendorchesters Meerholz-Hailer für das zweite Frühlingskonzert unter der Leitung von Michael Meininger. Aus vielfältigen musikalischen Blickwinkeln machten die Musiker darauf aufmerksam, wie wundervoll und schützenswert diese Welt doch ist. Vor den 500 Besuchern machte man gemeinsam Werbung für Klima- und Umweltschutz und verband dies mit musikalischem Hochgenuss. Die kreativen Komponisten, die diese Welt hervorbringt, gaben dazu viele Möglichkeiten.

Das Stammorchester begann mit „Where Never Lark or Eagle Flew“ und entführte in die Welt der Wale, die so groß und doch so verletzlich sind. „Vulnerable Joy“ spielte mit ihren Gesängen und schloss mit dem Wunsch nach Frieden und Schutz der Natur in aller Stille. Erst als das Licht wieder langsam eingeschaltet wurde, brandete der Applaus auf.
Der zweite Teil begann monumental mit „Fanfare – The Benefaction of Sky and Mother Earth“ , ehe es gemeinsam auf die Reise mit „Noah’s Ark“ ging, die in vier Episoden die Prophezeiung, das Eintreffen der Tiere, die Sintflut und die Rückkehr zum normalen Leben beschrieb. Das Schlagwerk hatte jede Menge zu tun, die Naturgewalten lebendig zu machen. Das Stammorchester musste zusammenrücken, damit dafür genug Platz war.

„Es ist wie das Fallen einer Melone“, beschrieb Manuel Neumann den zweiten Teil des Titels „Melodious Thunk“. Aus der Feder von David Biedenbender stammt die Hommage an Thelonious Monk, einem der herausragenden Jazz-Pianisten der Weltgeschichte. Der teilweise unharmonische Titel, bei dem sich das Orchester bewusst der großen Herausforderung zahlreicher Tempo- und Rhythmuswechsel stellte, war eine Würdigung der kreativen Köpfe dieser Welt, die mit ihrer Musik die Schöpfung weiter bereichern.
Nach dem letzten Titel „In the Stone“, der durch die Band „Earth, Wind and Fire“ bekannt wurde, erhoben sich die Besucher zu stehenden Ovationen. Gemeinsam müssen alle dafür sorgen, dass die Schönheit und Natur des „Blauen Planeten“ wie in Stein gemeißelt erhalten bleiben. Das Jugendorchester versucht dabei nicht nur mit Aufmerksamkeit zu helfen, sondern gab jedem Besucher noch „eine kleine Blumenwiese“ in der Tüte mit auf den Weg, damit das Konzert in einer bunten Blütenvielfalt in einigen Wochen oder Monaten immer noch in Erinnerung ist. In der Pause wurde faire Schokolade des Weltladens Hailer angeboten.

Bewusst flott wurde die Zugabe. Nichts brodelt so mit Leben wie der Dschungel, auch wenn Guns N’ Roses mit ihrem Hit „Welcome to the jungle“ eigentlich den städtischen Betondschungel meinten. Zum Auftakt hatte das Schülerorchester unter der Leitung von Ellen Dörr gespielt und schon mit „Above and Beyond“, „Sahara“ und „Das Dschungelbuch“ so überzeugt, dass schon da eine vehement geforderte Zugabe notwendig war.
Nach dem Konzert erreichte uns dieser schöne Kommentar von Monika Gubisch„Erfolg und Agenda“
Es war wieder ein voller Erfolg: das Frühjahrskonzert des Jugendorchesters Meerholz-Hailer. Vom ersten Moment an überzeugend. Moderation, Information und Musik perfekt aufeinander abgestimmt. Ein Genuss, für den ich mich bedanken möchte, bei allen, die dazu beigetragen haben.
Schon im Gehen habe ich mir die Frage gestellt: Warum klappt ein solcher Erfolg in Harmonie und Gemeinschaft bei der Musik? Und warum gelingt es so wenig im richtigen, und vor allem im politischen Leben? Was können wir Menschen für den Alltag davon lernen, wenn gemeinsam gute Stücke aufgeführt werden, die Menschen mitnehmen, verbinden und einig sein lassen?
Ich versuche eine Erklärung. Dirigent, Vereinsverantwortliche und Musiker verständigen sich auf die Stücke, die sie spielen werden. Es gibt sie bereits. Jemand anderes hat sie geschrieben. Die Aufgabe besteht darin, sie gut zu interpretieren und wiederzugeben. Dazu braucht es jeden Einzelnen. Jeder hat seinen Part zu spielen, muss allein und mit den anderen üben. Dazu braucht es spielerisches Können, Willen und Ausdauer. Das gemeinsame Ziel, zu zeigen, was man kann und erfolgreich aufzutreten, wird das Durchhalten leichter machen, immer wieder motivieren. Ein gelungener Auftritt lässt alle Mühe vergessen. Der Applaus ist das Brot der Künstler.
In der Realität gibt es nicht das eine Stück, das alle gemeinsam spielen wollen. Viele Einzelinteressen bestimmen unterschiedliche Wege und Ziele. Man verheddert sich, kommt nicht voran, macht den anderen verantwortlich. Es müsste doch möglich sein, über den Tellerrand zu schauen, offen und weit zu denken. Nicht nur das Individuum, auch das Große und Ganze zu sehen. Wie kann ich glücklich sein, wenn andere leiden? Wie kann ich zufrieden genießen, wofür andere ausgebeutet oder Natur zerstört wird?
Ein gutes Leben ist möglich. Es liegt an uns. Das Stück ist die Agenda 2030 der Vereinten Nationen. 193 Staatsmänner und -frauen haben sich vor 10 Jahren darauf verständigt. Die Welt soll lebenswert werden für alle, überall. Das Stück zeigt Mensch, Mitwelt, Miteinander auf diesem Planeten mit seinen Grenzen. Es gilt, Zukunft zu gestalten, so zu leben, dass auch andere leben können. Eine weitsichtige, nachhaltige Entwicklung führt dahin. Noch ist sie nicht präsent, hat sie vielerorts keinen guten Ruf, wenig Akzeptanz. Doch es ist möglich, so wie es auch möglich ist, ein schweres Stück mit unterschiedlichen Personen und Rollen gut aufzuführen. Wir müssen noch viel üben, alle, immer wieder. Jeder und Jede und jeden Tag!
9.32026 MG